OUK Das Neunte   up & down 2 mal 3 Seiten Ewigkeit

CITIES AT NIGHT,

I feel, contain men who cry in their sleep and then say Nothing.
It's nothing. Just sad dreams. Or something like that ... - Martin Amis, The Information.

Urlaubsfoto

Es begann wie immer beim Grillen. Und wie immer lag alles andere als günstiges Grillwetter in der Luft. Doch es war der Gedanke, der zählte. Dafür nahm man auch verkorksten Vanillepudding und (zu) kaltes Bier in Kauf - der Sommer sollte erst später richtig heiß werden. Die Ruhe vor dem Sturm jedoch bröckelte bereits hier und jetzt.
Wie es dazu kam, weiß ich immer noch nicht. Gut war es allemal. Doch auch die aufgeklärteste Persönlichkeit entdeckt Neuerungen in sich selbst, ob zum Guten oder Schlechten sei dahingestellt. Du hast mich heimlich in Deinen Bann gerissen und solltest mich nicht mehr loslassen. Wie eine Modemacherin umgarnst Du mich, zeigst mir jedesmal eine neue Seite aus Deiner Kollektion. Immer wieder erstaunst Du mich aufs neue. So einfach in Deinem Auftreten und doch so facettenreich. Ich denke viel wenn ich mit Dir zusammen bin und komme doch zu keinem Entschluß.

Einschub. Die Intention dieses Textes manipulieren. Im Nachhinein ist doch alles anders gekommen. Das Ge-sagte ist bereits Vergangenheit. Die Karten wurden neu gemischt. Ich sehe inzwischen alles aus einem anderen Blickwinkel. Vielleicht ist es falsch, dies alles an die Öffentlichkeit zu bringen, wie auf dem Präsentierteller serviert. Doch zu schweigen würde meinen Tod bedeuten.
Der Sommer ist nun zu Ende. Die kalten Tage stehen vor der Türe und wir widmen uns wieder der Musik, den rauchigen Clubs, unserem tristen Alltag. Konflikte zu lösen, stellt für mich kein Problem dar, in Luft auflösen kann ich mich nicht. Ich stehe gerne mit Rat und Tat zur Seite, doch wie heißt es so schön: äWer nicht hören will, muß fühlen". Ein Satz, der (leider) auf vieles in diesem Sommer zutraf.

Es war der Versuch, ein Stück Kultur zu portieren, der sich im Sande verlief, wie eine Karawane ohne Führer. Manchen Personen scheint es nicht vergönnt zu sein, ein erfolgreiches Partykonzept auf die Beine zu stellen. Es wird seine Gründe haben. Sicherlich war es einen Versuch wert und ich bin der Letzte, der von vornherein seine Augen verschließt. Doch es war einfach zu plump, als daß es hätte funktionieren können. Gedankenklau hilft da auch nicht weiter. Selten ist eine Kopie besser als das Original. Doch was kann ich von einem Menschen erwarten, der sich nie von seinem Zwang, die Tanzfläche  füllen zu müssen, lösen konnte? Die fetten Jahre sind vorbei. Ratlosigkeit macht sich breit. Die Spreu hat sich vom Weizen getrennt, und das zu Recht. Disco schützt vor Alter nicht. Was übrig bleibt, ist die Frage nach dem Warum und die Illusion auf ein erneutes Aufblühen. Ob es jemals dazu kommen wird, steht in dieser Ausgabe.
Der Preis für die beste Inszenierung des Sommers geht an die Firma Technics, die es geschafft hat, ihr Markenprodukt SL-1210MK-II auch im hinterwäldlerischsten Kaffeehaus zu etablieren. Mit großen Augen und noch größeren Erwartungen hießen die Betreiber die äWheels of Steel" willkommen und versprachen (und tun so noch immer) sich volles Haus bis in die frühen Morgenstunden. Doch durch die Türen strömen Menschen, deren Gedanken von Tanzen und lauter Musik weit entfernt sind. Sie wollen sich in Ruhe einen Kaffee (respektive Bier, Cocktail, etc. ...) gönnen und mit ihren Mitmenschen plauschen. So wird kurzerhand die Musik auf minimale Lautstärke reduziert. Resultat: der DJ ist der einzige, der die Musik noch hört, und das auch nur, weil er im Besitz eines Kopfhörers ist. Ist es so schwer zu begreifen, daß Auflegen kein Job und auch keine Spielerei ist, sondern Leidenschaft?!
Es sollte einer dieser ermüdenden Montage sein, der mich den Unterschied zwischen Jungle und Drum'n'Bass lehrte. Wo die einen ihrer Energie zügellosen Lauf gewähren und ihre Seele in Euphorie tauchen, benutzen die anderen einen Begriff, um ihrer Lebensphilosophie einen neuen Anstrich zu verpassen. Selten habe ich in einer Musikrichtung soviel belanglose Produktionen wahrgenommen, selten habe ich eine solch elitäre Einstellung von Unbeteiligten gegenüber der Musik erlebt. Mittlerweile völlig als Life-Style kompatibel geworden, gibt es nichts schickeres, als sich Freezone-Compilations zu kaufen und zu Kaufhausbeschallung zu steppen.
Arm in Arm stolziert ihr mit Hifi-Rockern und Propeller-heads durchs Nachtleben um euch mit Bistroinhabern im Diskurs ein oder auch zwei Bier zu gönnen. Ihr pflegt eine erstaunliche Openmindedness an den Tag zu legen, dabei verschließt ihr eure Ohren vor der Musik. Nebenbei erfindet ihr noch so imposante Slogans wie äfutur funk science fiction Drum'n'Bass" oder äintelligent hiphop listening jazz". Da ist es auch nicht mehr verwunderlich, daß ein James Lavelle seine Vorzeigemusiker Size und Krust in einem bisher noch nicht dagewesenem Ausmaß an die Öffentlichkeit verkauft - mit Erfolg.
An der Qualität der Produktionen ändert dieser strategische Schachzug leider gar nichts. Doch um neue Visionen und deren Popularisierung war Herr Lavelle ja noch nie verlegen.
Eclectic Drum'n'Bass; der heißeste Scheiß nach TripHop und Acid Jazz. Von Speed Garage will ich erst gar nicht reden. Nichts ist charakteristischer für das Jahr 1997, als eine den Joint umherreichende Studentenwohngemeinschaft, die zu Reprazent & Co. chillt. Da kann nur noch eine nuyoricanische Soulband mithalten.

Fullhouse mit System!

Autobahnschreiben will gelernt sein. Die Nacht zuvor durchgefeiert, der Schlaf kaum der Rede wert, die genüßlichen Stunden haben die Arbeit nur aufgeschoben.
Und wieder bist es Du, der meine Gedanken vom Schreiben abhält. Widerwillens streifen meine Gedanken jenen Moment, der mich Deiner bewußt werden ließ, damals in jenem Keller. Und jederzeit wärst Du es wieder, auf den ich aufmerksam werden würde. Dein Handeln so offensichtlich, als würden wir uns schon Ewigkeiten kennen. Ich weiß, daß Du etwas besonderes bist, weiß es zu schätzen. Es bedarf keiner Erklärungen um mich verstehen zu lassen; jetzt wo unsere Freundschaft die Basis unseres Miteinanderauskommens bildet.
Nun ist es doch noch Sommer geworden, Sonnenschein spiegelt sich in meinen Gläsern. Neben mir ein Stapel Notizen, die vollendet sein wollen. Die Welt ist im Einklang mit der Musik, die in meinen Ohren widerhallt. Vor mir liegt eine Zeit der Muse und der Vernunft, der Regen ist gebannt.
Keine vier Wochen später lande ich in der Traufe. äDer Zeit ihren Tribut zollen" nennt ihr es, dem Fortschritt Folge leisten, um nicht hinterherzuhinken. JL predigte uns dieses Vorgehen bereits vor etlichen Jahren. Es war das Jahr des Mars, mit dem der Anfang vom Ende begann. Daß Unleserlichkeit, Unübersichtlichkeit und Belang-losigkeit das Ergebnis sind, wird kulant übersehen. Doch ihr mußtet schon immer in der ersten Reihe stehen, vorne mit dabei sein, keine Errungenschaft verpassend. Ihr fordert vollendete Tatsachen und könnt selbst nicht damit dienen. Die Soundcity+ ist im Regen ertrunken. Wie leer müssen Vorzeigeclubs noch werden, bis euch klar wird, daß auch der größte Hype irgendwann einmal den Letzten langweilt?! Ein guter Club vermag durch (konstante) Qualität und (sichtbares) Engage-ment der Betreiber bestechen.
Dazu sei angemerkt, daß Stuttgart mit nichten eine Stadt mit qualitativ hohen Ansprüchen ist. Was sich tatsächlich hinter der Fassade von Anspruch und Qualitätsbewußtsein verbirgt, ist die Sucht nach immer noch größeren Namen, noch größeren Events. Stuttgarts Partybewohner sind zu Vorzeigekonsumenten verkommen, wie sonst kann es passieren, daß ein DJ Bleed eine leere Tanzfläche beschallt, während ein volles M1 (scheinhaft) enthusiastisch den wohl schlechtesten Duke aller Zeiten feiert.
Andererorts hingegen zeigt sich, daß Qualität auf Dauer doch besticht. Wöchentlich versammeln sich die Menschen, um nicht sich, sondern die Musik zu feiern. Sie bedürfen keiner Show-Effekte, Licht-batterien, Basshörner und tanzenden Bardamen. Sie geben sich mit etwas rotem Licht und dem Vibe der Resident-DJ's (die ihr Handwerk verstehen) zufrieden. Tanzen ist Teil ihrer Kommunikation. Die Nacht wird zu einer Art spirituellem Ereignis. Hier sind sich alle einig und verbringen schöne Stunden ihres Lebens. Auf dem Nachhauseweg wird man sich klar, was Glück heißen kann.
Feste feiern ist schön. Mit Musik geht alles besser. Und wo kann man sich heutzutage noch bedenkenlos über Musik unterhalten, ohne gleich in belanglose Theorien oder Lobpreisungen abzuschweifen.
Rückblick. Lange ist es her. Mit Regen fing alles an. Mit Tränen soll es enden. Es war wahrlich kein sonniger Sommer, über den ich hier zu schreiben wage. Dieser Text ist nicht smooth, weder angenehm, noch neutral. Ein jeder ist mal verletzt. Wer schon ein einfaches äHallo" auf den Lippen hat, trägt zur Besserung bei. the ghetto
Doch ein jeder denkt nur noch an sich und seinen Vorteil. Mogelt sich durch, charmant, kauft sich bei seinen Feinden ein. Ehrlichkeit ist ein Fremdwort. Was ist das für eine Welt, in der jeder um sich schlägt, ohne Rücksicht auf Unschuldige zu nehmen. Eine Welt in der man lügen muß, um seine Schwächen zu verstecken. Es ist nichts falsches am Schießen, solange es die richtige Person trifft. Doch ihr würdet Vernichten, könnten Eure Blicke töten. Ignoranz und Sturheit regieren in Eurem Hirn, als ob ihr damit jemals glücklich werden könntet.
Ich höre schon die Unkenrufe, was das hier alles zu suchen hat. Wo bleibt die Musik, wir kennen Deinen Kummer nicht. Hier geht es nicht um mich, ist es nie gegangen. Ich erzähle nicht von mir, ihr würdet mich nicht verstehen. Doch ihr seid bereits so blind, daß ihr euch selbst nicht mehr erkennt. Ihr verscherzt euch eure Freundschaft um euren Stolz zu retten. Es kann keine Sieger geben, nur Verlierer.
So betrinkt Euch auch weiterhin und heult um auflegen zu dürfen. Bittet um Vergebung, um sie hinterher mit einem müden Lächeln den Abhang hinunterzustoßen. Seid unvernünftig und arrogant und greift stets nach der ganzen Hand. Ihr kennt keine Gemütlichkeit, seid niemals nett. Die harte Schale wurde längst verinnerlicht. Es nützt nichts cool zu sein, Sonnenbrand bleibt Sonnenbrand. Spürt den Schmerz und kommt zur Besinnung. Zeigt euer wahres Ich, anstatt den Klon zu spielen. Öffnet eure Augen oder laßt sie für immer verschloßen.
][ marc bohlmann

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