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Das Neunte up & down | Plattentips |
Der Sommer (!er kam doch noch!) wirkt sich, zumindest was die Produzententätigkeiten
und Neuveröffentlichungen betrifft, wie so oft negativ aus. Das Studio
nach draußen zu verlegen wäre ein wenig zu viel verlangt und
man heißt ja schließlich auch nicht Coldcut und spielt mit
seinem Laptop auf Korsika. Demnach verlagern sich ausgiebige Portionen
frischer Rillenware mal wieder gen Ende des Jahres, was aber nicht heißt,
daß diese ouk-Ausgabe völlig ohne Drum'n'Bass-Rezensionen leben
soll.
--- Das mit dem Remixen ist ja so eine Sache. Nachdem also Grooverider
"Share the Fall" völlig neu einfärbte, hat er bei "Piper" wohl
zu wenig Zeit gehabt. Als Zugaben gibt es nur wenig neue Sounds, der Rest,
inklusive Aufbau, gleicht dem Original. Das reicht vielleicht auch, da
"Piper" sowieso mal wieder an vielen vorbeigerauscht zu sein scheint, will
sagen, daß man Johnny L nicht unterschätzen darf. Die Rückseite
"Obedience" zeigt nämlich, wie feinfühlig dieser "alte Hase"
mit der Materie umzugehen weiß: kein extraordinärer Neuzeit-Funk,
sondern ein klasse komplexer, bukem'scher Roller.
--- ließ
mein Ohr aufhorchen, aber bei dieser hier entschied ich Renegade Hardware, Nr. 10 - Artists: Genotype/Monochrome &
Subphonics - Title: Square Waves/Capacity - soviel zu den Daten. Dieses
Label bahnt sich seinen Weg an der Schnittkante von Dillinja zu Hype. Die
zehn Releases sind ausnahmslos kaufenswert und dieses hier mal wieder ganz
besonders. Sicherlich aber nicht wegen der Labelside, auf der sich ein
überzogenes Acidmonster befindet. Man drehe die Scheibe lieber einmal
um und begnügt sich mit einem minimalen, monotonen, immer spannender
werdenden Track, der dich um den großen Finger wickelt.
--- Schon beim Anhören der ersten Thunder Recordings mich dann doch
zum Kauf. Sidewinder wagt sich auf der 002 mit "Killa" in neue Gefilde.
Die Beats wackeln von einer Box zur anderen, als ob die gleichen Drums
mit etwas Hall leicht versetzt übereinander gelegt wurden. Wie das
rein technisch gemacht wurde, erklärt euch bestimmt auch jemand. Auf
jeden Fall interessant das Ganze, aber "Skin Deep" wirkt da doch etwas
solider: Straighte Drums, hier und da ein paar Effekte und dann dieser
göttliche Basslauf, der, so simpel er klingen mag, den Track bis ans
Ende der Welt tragen würde.
--- Goldie & KRS One. Zwei Lehrer unter sich. Das kann ja nur gut
gehen. Anthony Shakir: " ...dadurch wird sich Drum'n'Bass auch in Amerika
verkaufen." "One-One" konnte man vor einigen Monaten schon als einseitiges
Testpressing für einen stolzen Preis bekommen. Erscheinen wird "Digital"
(so der offizielle Name) als Ausgleich zu 60-minütigen Orgien auf
Goldies neuem LP-Streich "Saturnz Return". Vorab gibt es schon eine Doppelmaxi
mit Remixen von Boymerang und Armand van Helden. Ob ich Armands Versionen
als "Speed Garage" oder "überflüssig" taufen soll, muß
ich mir noch überlegen (Existiert da überhaupt ein Unterschied?).
Boymerang steht jedenfalls außer Konkurrenz. Ein Ausgleich wird
hier durch ruhige, spielerische Passagen geschaffen, die sich mit energiegeladenen
abwechseln.
--- Wenn sich derzeit jemand beschwert, daß zu wenig Zeit in
das Produzieren der Beats gesteckt wird, hat er seine Rechnung ohne T-Power
gemacht. Daß man von ihm momentan nur Remixe findet, läßt
Großes erwarten, oder bringt ihm das vielleicht doch mehr Spaß?
Coldcut haben ihre "More Beats + Pieces" diversen Musikgenossen zum Basteln
gegeben, und auch T-Power erweist sich wieder einmal mehr als ein wahrer
Freund der Beatfrickelei. Dieser pickt sich nämlich nicht ein paar
Pieces raus, sondern erschafft mit einer hohen Anzahl Samples ein funkiges,
abwechslungsreiches, aber dennoch komplexes und vor allen Dingen funktionierendes
Werk.
--- Ein weiterer Vertreter anspruchsvoller Drumkonstruktionen hat
derzeit alle Hände voll zu tun. Optical - früher noch mit Spiral
Tribe durch die Lande ziehend und Tätigkeiten für Bear Necessities
nachkommend - ist als Partner im Studio für die No U-Turns, Grooveriders,
etc. sehr gefragt. Nichtsdestotrotz bleibt Zeit für einen schönen
Remix von "Start" für das deutsche Projekt N.O.H.A.: "Ni Ten Ichi
Ryu" könnte hier Pate gestanden haben, denn das Aufgebot der Drums
und Säbel ähnelt sehr. Neben den dezent eingesetzten Vocals des
Originals, versprüht Optical wieder eine leichte Detroit-Atmosphäre,
die lückenlos ins Grooverider-Set paßt. Die heimatlichen Remixe
für N.O.H.A. werden von Sunrise & Nomad (Nürnberg), Bassface
Sascha und Hans (!??) beigesteuert. Erste könnten ein wenig mehr mit
den Beats spielen, wobei das atmosphärische Drumherum wirklich klasse
ist. Saschas Intro klingt vielversprechend, doch nach spätestens 30
Sekunden wandert die Hand zur Stoptaste, wo er doch so einen tollen Remix
für Kaylyn abgeliefert hatte. Der letzte im Bunde - Hans don't damage
the kitchen - bewegt sich am nächsten am Original und klingt zugleich
auch einfach schlecht.
--- Der Heimat immer näher kommend wird demnächst die SRP
001 (skunk rock productions) in 500er-Auflage veröffentlicht. Die
Ludwigsburger Jahla Hi-Power (Daniel Savine) mit "Formicula" und Countaman
mit "AM / Lash" teilen sich das Vinyl und beweisen zunächst einmal,
daß auch Unsereiner hierzulande Beats programmieren kann. Bei "AM
/ Lash" vermisse ich ein bißchen die Steigerung, aber eine gute
Grundstimmung und die Partytauglichkeit machen das wieder wett. "Formicula"
stellt eine gute Ergänzung zur A-Seite dar, denn hier wird eher experimentiert,
eine Art No U-Turn-Soundorgie, die dich schickt. Release-Party übrigens
am 14.11. im Clima.x (guest: Peshay). Also watch out for Santorin 001,
D'n'B from Tübingen. ][ lightwood
Subtle Tease/
The Goings of an Offer/
Ladomat 2000
Gewohnheit #1. Nach dem großen Erfolg von Whirlpool Productions
scheint es beliebt zu werden, elektronische Musik in Popmusikformat zu
stecken. Justus Köhncke und Kai Althoff experimentieren mit Sounds
und Samples, fügen die Ergebnisse zu einer Melodie zusammen und versehen
alles mit schrägem Gesang. Das Ganze wirkt dann allerdings doch ein
wenig unausgegoren und aufgesetzt. An manchen Stellen sogar richtig kitschig.
Arc-en-ciel/
surgelé/
Blaou
Französische Berliner? Berliner in Paris? Vieleicht eine Mischung
aus Beidem? Oder liegt es doch nur am - für Franzosen so typischen
- Filterdrehen? Daß diese Platte eine wahre Freude ist, steht auf
jeden Fall fest. Mit wahrer Leichtigkeit versüßt sie einem den
Sommer, spielt sich locker in die Herzen der Hörer. Und doch wirkt
sie streng und treibend, hält einen bis zur letzten Rille in ihrem
Bann. Besonders "desuger" ist zum Verlieben.
India/
La India con Lavoe/
White Label
Gewohnheit #2. Wie schon oft geschehen, steht eine Platte in sämtlichen
Charts, wird von allen begehrt und doch kennt sie keiner. Nun kamen die
MAW-Remix von Indias "La India con Lavoe" und "To be in Love" auch in unserer
Redaktion an und ich muß gestehen, das Warten hat sich gelohnt. MAW
präsentieren gewohnt gute percussive Beats, mit Latino-Flair bereichert,
die einem die Sinne betäuben. Über India's Stimme brauche ich
mich wohl nicht auszulassen.
D-Connection/
The Connected EP/
Nite Groove
Bei Nite Groove bin ich generell vorsichtig, erschien dort doch schon
die ein oder andere in Frage zu stellende Platte. Umso mehr erfreut mich
diese Auskopplung aus Nite Grooves veröffentlichtem "Abstract Jazz
Lounge"-Sampler, der mir leider noch nicht zu Gehör kam. 4 jazzig
angehauchte Stücke die nichts bahnbrechendes darbieten, trotzdem aber
Spaß am Hören bereiten.
Terrence Parker/
Detroit After Dark/
K7!
Detroits Straßen sind düster, erst recht bei Dunkelheit.
Und doch gibt es immer wieder Menschen, die sich aufmachen Licht in dieses
dunkle Dasein zu streuen. So auch Terrence Parker, seines Zeichens House-DJ
und Musiker, der durch die Nächte zog und feststellte, daß es
in Detroit nicht nur Techno gibt. Aber das war uns allen klar. HipHop,
House und DopeBeats begegneten ihm auf seinen Streifzügen und so bringt
er, ähnlich seinem ersten K7! Album "Tragedies of a Plastic Soul Junkie",
als Mitbringsel eine ausgewogene Soundcollage zurück. Wobei die Housestücke
diesesmal die Uninteressanteren sind, da einfach zu flach.
Mouse on Mars/
Autoditacker/
Our choice
Gewohnheit #3. Auch Andi Toma und Jan St.Werner servieren hier ihre
Interpretation einer elektronischen Langspielplatte. Versiert und gekonnt
arrangiert, führen sie durch ihre Welt der blinks und blonks. Eine
Welt, die alten MoM-Fans nicht neu erscheinen dürfte und doch anders
klingt als ihre vorangegangenen Produktionen. Mit graziöser Leichtigkeit
veranschaulichen sie, wie sanft und warm elektronische Musik sein kann,
ohne dabei langweilig zu werden.
V.A./
DopeClassics/
React
DopeBeats sind , ähnlich wie TripHop, eines dieser Dinge denen
man fast jede Platte die einen annähernd gebrochenen Beat und gecuttete
MC-Samples beinhalten, zuordnen kann. Und doch (oder vielleicht gerade
deswegen) gibt es gerade hier eine Menge potentieller Hits und Klassiker.
Neben Künstlern wie Westbam, Bambataa und Depth Charge gibt es noch
einige, deren Namen zwar nicht geläufig sind, ihre Melodien jedoch
für sofortige Partystimmung sorgen.
React bringen also nach zahlreichen "Dope on Plastic"-Compilations
eine Sammlung eben jener kleinen aber feinen Dope-Klassikern herauß.][
mb
Gilles Peterson & Norman Jay/
journeys by DJ /
Desert Island MiX (Doppel CD)
Gilles Petrson & Norman Jay in the Mix!!! Was uns hier erwartet,
ist eine Musik-Reise par excelence. Jeder dieser englischen Über-DJ´s
selektierte Rares und Schräg-schrilles für den Desert Island
Mix. Beide Vinyl-Akrobaten befherrschen den Crossover von House über
Disco zu Dub und selbst Latin-Jazz Raritäten können mit Leichtigkeit
zitiert werden.
Gilles Peterson demonstriert dann auch mit Gewalt sein übergenial-musikalisches
Repertoire und setzt damit seine eigene Definition von Style-Hopping. Highlight
der Peterson Auswahl: Roy Davis JR mit Gabriel!
Norman Jay ist etwas geradliniger und definitiv soulfuller. DiscHip-Dope-House
Raritäten aus den tiefen der Garage, Disco und House Archive. Beste
Skuril-Selektion: Meaneater von Hall&Oates.
Fazit: Weniger ist mehr aber, trotzdem gut.
Roy Davis JR featuring Peven Evertt / Gabriel/
Large/XL-Rec.
Slow-Percussion, Gefühl und Leidenschaft. Eine Male-Voice, die
Tiefe und Leiden vermittelt. Oh Gabriel!
Harmonieempfinden mit der Botschaft "think and feel positive". Eine
Stück das die Qualität besitzt, ganz vorne in der Box plaziert
zu werden.
Wer den ersten Release auf Large verpasst hat, darf jetzt auf
XL-Rec. zugreifen, mit jeder Menge neuen Mixen.
Castaways/
Circulation/
Tape
Experimental Jazz-House in Prescription Qualität und das Ganze
auch noch Made in Germany! Selten schafft es ein teutonischer "I´m
open minded" Housetrack die Intensität und Geschmackssicherheit französischer,
britischer oder gar amerikanischer Produktionen zu erreichen. Der Macher
dieses Trax beweist Scharfsinn für Experimentelles. Neues, stetig
verpackt mit einem Break, der Seinesgleichen nur bei einem Hörtest
wiederfindet. Sicheres, jazzvirtuos gespieltes Keyboard erzeugt den Wunsch,
in den Straßen von NY zu schlendern. Sophisticated und cosmopolit,
Containergenial. ][ enco
Dem musikalischen Sinneswandel folgt nun auch der graphische: Das
Pfullinger Label Shokoy-Rekords startet durch. Dank Schlafmütze Elef
sind die Nummern 11 und 12 längst im Handel, während sie hier
besprochen werden, nichtsdestotrotz lohnt es sich, noch ein paar Worte
hierüber zu verlieren. Beide Platten sind extrem tanzbare DJ-Tools
aus dem Abstract-Techno-Bereich, die einen mit zunehmender Länge monotoniebedingt
in ihren Bann ziehen. Nummer 11 ist von Stefan Riesen und Claus Bachor
aka" Dark room", Nummer 12 ist von Savas Pascalidis unter dem Projektnamen
"The Phreek". Schon allein der Lokalpatriotismus sollte einen zum Kauf
dieser edlen Vinylstücke bewegen!][ motik
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